Selten hat ein Thema die Cachegemeinde so sehr bewegt wie dieses. Im Grünen Forum hat es zu seitenlangen Diskusisonen gesorgt und dürfte auch das Killerargument für die neue Kategorie Reviewer gewesen sein.
Es geht ja darum, dass neue Geocaches einen Mindestabstand von 46 Metern zu aktiven Bahngleisen halten müssen. Dafür werden die Geocaching.com Guidelines herangezogen.
Caches hidden in close proximity to active railroad tracks. In general we use a distance of 150 ft (46 m) but your local area’s trespassing laws may be different. All local laws apply.
In den Guidelines wird also für die Regel von 46 m um die Bahnstrecken keine Begründung angegeben, nicht wie etwa 2 Punkte weiter, wo es um Brücken, öffentliche Gebäude, Dämme, Schulen geht. Hier wird mit der allgemeinen Terrorgefahr argumentiert.
Caches near, on or under public structures deemed potential or possible targets for terrorist attacks. These may include but are not limited to highway bridges, dams, government buildings, elementary and secondary schools, and airports.
Das eine solche Regel nur für neue Caches natürlich sinnbefreit wäre, steht über diesen Regeln natürlich:
Caches may be quickly archived if we see the following (which is not inclusive):
Das würde also heißen, dass eigentlich auch alte Caches archiviert werden müssten. Das dies nicht im Sinne des Geocachings ist, scheint auch kein Reviewer wild alles zu archivieren was ihm vor die Linse kommt (bisher konnte ich noch keine tollwutartigen Krankheitsberichte vernehmen - nur gelegentlich greift da mal jemand zur falschen Textvorlage).
Viele mögen sich nun denken:
“Naja, was machen schon so ein paar Regeln. So viele Gleise gibt es nun auch nicht.”
Während das auf dem flachen Land noch gelten mag (auch wenn es hier Schade ist, dass so Caches eher von aktiven Bahnlinien entfernt gefördert werden, da so es für nicht Autobesitzer schwerer möglich ist zu Cachen), so stellt dies in einer größeren Stadt doch durchaus ein Problem dar. Überlegen wir mal was das für das schon Cacheverseuchte Hamburg heißen würde:
- Geocachen an der Elbepromenade zwischen Landungsbrücken und Rödingsmarkt: Nur mit einem Boot auf der Elbe. Das würde doch gleich eine Menge beliebter und klassische Caches treffen.
- Im Bereich von Brücken (und wir haben verdammt viele davon): Nee, lieber nicht - aber wenn man gut werfen kann schafft man es vielleicht die Dose 46 Meter weit ins Wasser zu werfen. Da liegt sie wenigstens auch sicher vor Statistikcachern!
- Caches, die auch für Touristen günstig an ÖPNV Bahnhöfen liegen/starten - ach nee, dann doch lieber irgendwo direkt ins Wohngebiet damit, die Drogenfahnung soll doch auch ihren Spaß haben.
Das Fatale aber ist hier, dass ich eigentlich unter allen Bahnviadukten in Hamburg bequem einen Kleinlaster mit potentiell 2 Tonnen Sprengstoff parken dürfte. Angesichts dessen, dass wir bei der aktuellen Bedrohungslage wohl vom modernen islamistischen Terrorismus mit Selbstmordattentätern ausgehen müssen, erscheinen Anschläge mit Tupperdosen und ähnlichem eher ein geringes Problem zu sein. Auch dürfte die Sprengkraft eines Mikros oder selbst einer Tupperdose mit 1 Liter Inhalt wohl zuminest eine offene Bahnstrecke zwar beschädigen, aber nicht unbedingt zur großen Katastrophe führen. Einen Zug zum Entgleisen zu bekommen dürfte leichter zu schaffen sein. Sprengsätze dieser Stärke dürften also realistisch gesehen eher nur gegen weiche Ziele eingesetzt werden, also in Bahnen, Bussen, Bahnhöfen, Fussgängerzonen, Geschäften.
Hiermit will ich in keinster Weise die Gefahr von Anschlägen verharmlosen, aber um hier allen zu Helfen wäre es vermutlich das sinnvollste Polizei und vorallem die Sprengkomandos über Geocaching zu Informieren und denen einen Zugang zur Datenbank zu ermöglichen, mit dem sie zu einer gegebenen Koordinate oder Adresse die nächsten Dosen/Stationen angezeigt bekommen.
Und wenn es wirklich um die Terrorabwehr gehen würde, dann dürfte es gar keine Abweichungen von dieser Regel geben.
Des häufigeren wird auch mit der Gefärdung der Suchenden argumentiert. Ich denke hier verbietet es sich von selbst, dass ein Cache z.B. nicht im Gleisbett einer noch befahrenen Strecke liegt. Und vielleicht auch nicht gerade am Busch direkt zur Strecke hin. Das man als Suchender auch entsprechende Stellen meiden sollte ist natürlich auch klar. Hier geht es nämlich vorallem um die armen Lokführer, die ja beinahe täglich fürchten müssen, dass sich ein Selbstmörder vor ihren Zug wirft. In urbaner Umgebung kommen evtl. noch die Sprayer hinzu, die entsprechend an die Polizei gemeldet würden. Wenn aber z.B. ein Wanderweg mit Zaun (oder entsprechend dichtes Gebüsch) direkt neben einer Bahnstrecke verläuft wird sich kein Lokführer wundern, wenn da jemand entlang geht. Nachts mit unseren Flakscheinwerfen sollten natürlich größere Abstände gehalten werden.
Das Problem dieser ganzen Diskussion bisher ist, dass sich die deutschen Reviewer nicht auf eine einheitlichen Linie geeinigt haben. Teilweise werden Caches 40 Meter vom Gleis abgelehnt und dann wieder liegt ein Mikro sogar am Hochspannungsmasten einer Hauptbahnstrecke. Auch haben sie es versäumt als Gruppe sich an der Diskussion (und sei es nur durch die Revieweraccounts) aktiv zu beteiligen. Dadurch kam es leider zu viel bösem Blut, Vermutungen und dazu, dass Cacher jetzt falsche Koordinaten einstellen. Das ganze führt dann natürlich zu noch mehr bösem Blut …
Selbst wenn es innerhalb der Reviewer dazu keine einheitliche Meinung gab oder gibt, hätte man sich zumindest insofern beteiligen können, dass man dies darstellt und die Community bittet 2 oder 4 Wochen ins Land gehen zu lassen in denen sie intern eine klare Linie finden. Das hätte viel Streß erspart und eine produktive Diskussion ermöglicht. Bis heute vermiss ich zu diesem kontroversen Thema eine Darstellung der deutschen Reviewer auf ihrer Homepage.
Um diesen Beitrag nicht nur mit Meckern zu beenden, will ich hier einen Vorschlag einstellen, der für mich einen gesunden Mittelweg darstellt:
Geocaches innerhalb von 50 (oder so) Metern um “sensible Objekte” wie Bahnstrecken, Brücken oder ähnliches müssen seitens des Owners gesondert begründet werden. Hierzu könnten gehören:
- Warum gerade hier ein Cache (besonders geeignetes Versteck, Hinweis auf etwas).
- Ein Foto des Behälters (z.B. eine Munitionskiste neben einer Grundschule könnte nicht so gut ankommen).
- Ein Foto der Umgebung des Caches, auf dem der Abstand/die Abgrenzung zur Bahn deutlich wird.
- Deutliche Hinweis in der Cachebeschreibung welche Bereiche nicht betreten werden müssen.
Ich hoffe ich habe mit dieser ausführlichen Diskussion niemanden allzu sehr gelangweilt. In der Hoffnung, dass dieses Thema die Geocachinggemeinde nicht noch mehr von ihren Reviewern trennt.
Grüße TweetyHH / Florian
5 Antworten bis jetzt ↓
1 ksmichel // 02.02.2008 um 08:02
Guter Beitrag. Ingesamt drängt sich manchmal der Eindruck auf, es sollen unbedingt Gründe gefunden werden, möglichst viele Caches zu VERHINDERN.
Unbegründet ist in Zeiten von Googlemaps auch die 161-Meter-Abstandsregel.
2 45m Bahnen « Geocaching Hamburg // 04.02.2008 um 12:02
[...] 45m Bahnen Posted by Michael Zielinski under Geocaching Bei GeoGeo-MorsMors gibt es schon eine längere Erklärung/Anregung zu dem Thema von Bahnlinien und der 45m [...]
3 Mit der 45-Meter-Regel… - DOSENFISCHER.de . // 04.02.2008 um 13:02
[...] sollten sich hier nicht in Gefahr bringen. Naja… Hab ich die Dose halt wieder eingesammelt. (Geo Geo Mors Mors stellt das Problem dar, Michael Zielinski schlägt vor, an Groundspeak zu [...]
4 Pom // 12.02.2008 um 15:02
“In general we use a distance of 150 ft (46 m) but your local area’s trespassing laws may be different. All local laws apply.”
Hättest Du diesen Satz übersetzt, wären alle weiteren Sätze unnötig gewesen. Nie war es so einfach, den deutschen Reviewern ihre Unkenntnis über die GC.com-Guidelines zu beweisen.
5 Karlo // 30.03.2008 um 14:03
Hallo
ich sehe das ganz genauso wie du in deinem Log
und deswegen erstmal ein Dankeschön.
Hier fehlt einfach der common-sense und ich kann deine Empfehlung von oben voll unterstützen, gehe aber noch weiter, dass es ein “need Review” Log auch geben müsste wo Cacher einen Cache als unsicher deklarieren können, womit nach einer gewissen Anzahl ein Re-Review notwendig werden würde.
Ich bin ein Anhänger des öffentlichen Nahverkehrs und des Radfahrens und deswegen gibt es von mir extra eine “Railway-Cache-Favorite” Liste
guckst du da: http://www.geocaching.com/book.....ca04b875a8
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